NEWS@IMAGING

Immer einen Schritt voraus

Industrielle Bildverarbeitung: Schlüsseltechnologie für die Automatisierung und Industrie 4.0

21. März 2016

Vom 21. bis 24. Juni 2016 findet in München zum 7. Mal die Automatica, internationale Fachmesse für Automation und Mechatronik, statt. STEMMER IMAGING-Geschäftsführer Christof Zollitsch erläutert zu diesem Anlass in einem Interview die Bedeutung von Industrie 4.0 für die Bildverarbeitung und weitere aktuelle Trends.

Wie wichtig ist Bildverarbeitung für die Industrie 4.0 und welchen Einfluss hat dieses Konzept auf die aktuellen Entwicklungen in Ihrer Branche?

Christof Zollitsch: Die Bildverarbeitung ist eine wichtige Voraussetzung für die flexible Fertigung im Sinne von Industrie 4.0. Durch die hohen Anforderungen an sensorische Systeme stellt die digitale Fabrik eine große Chance für die Branche dar, sich in der Produktion als Schlüsseltechnologie weiter zu etablieren.

Wie kann die Bildverarbeitung bei der Umsetzung von Industrie 4.0 Konzepten beitragen?

Christof Zollitsch: Um den Anforderungen von Industrie 4.0 zu entsprechen, ist eine optimierte und direkte Vernetzung der Bildverarbeitung mit den Produktionsanlagen und eine geeignete Datenbankanbindung erforderlich. Nur so ist eine flexible Fertigungssteuerung möglich. Diese enge Einbindung der Bildverarbeitung ist auch Voraussetzung dafür, dass eine Nachverfolgbarkeit der Produktionsdaten gewährleistet ist, wie sie bei sicherheitsrelevanten Produkten wie z.B. Bremsen oder Lenkungsbauteilen an Fahrzeugen aus Haftungsgründen unabdingbar ist.

Welche Lösungen gibt es aktuell am Markt?

Christof Zollitsch: Viele industrielle Bildverarbeitungssysteme sind bereits heute mehr als nur reine Inspektionssysteme. Sie erlauben eine frühzeitige Erkennung von Trends in den Produktionsprozessen bei entsprechender Auslegung und Aufbereitung der Ergebnisse und entsprechen somit dem Gedanken von Industrie 4.0. So lässt sich z.B. die zunehmende Abnutzung eines Werkzeugs anhand steigender Fehlerzahlen oder an der fortschreitenden Verschlechterung der Qualitätsmerkmale der gefertigten Produkte erkennen.

Was bedeutet das konkret für Ihre aktuelle und mittelfristige Marktstrategie als Technologielieferant für die Bildverarbeitung?

Christof Zollitsch: Wir wollen uns den Herausforderungen von Industrie 4.0 stellen und die damit verbundenen Chancen nutzen. Wir werden die technischen Entwicklungen in diesem Bereich genau verfolgen und unsere Erfahrungen nach Möglichkeit mit einbringen, um auch hier im Sinne unserer Kunden immer auf dem neuesten Stand der Technik zu sein.

Inwieweit beeinflusst das Thema Industrie 4.0 Ihr Produkt-Portfolio? Gibt es oder gab es da Veränderungen oder Anpassungen?

Christof Zollitsch: Aktuell halten sich die von Industrie 4.0 ausgelösten Veränderungen an Bildverarbeitungskomponenten noch in Grenzen. Es gibt aber bereits Initiativen, die unter anderem eine engere Zusammenarbeit zwischen der Steuerungs- und der Bildverarbeitungswelt anstreben. Ziel ist hier eine verbesserte und einfachere Integration der Bildverarbeitung in die Fertigungsumgebung, was eine wesentliche Voraussetzung für Industrie 4.0 darstellt.

Was sollten potentielle Anwender von Bildverarbeitungssystemen heute bei der Beschaffung beachten, um ihre Investitionen möglichst zukunftssicher zu machen?

Christof Zollitsch: Moderne Produktionsstraßen müssen möglichst flexibel gestaltet werden, damit sie schnell und einfach auf neue Produkte umgestellt werden können. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Auswahl der integrierten Bildverarbeitung: Das Auge der Anlage muss in der Lage sein, Fehler auch bei wechselnden Produkten oder schnelleren Produktionszyklen noch sicher zu erkennen. Die Zusammenstellung eines Bildverarbeitungssystems wird damit auch zur Gratwanderung zwischen dem technisch Machbaren und dem wirtschaftlich Sinnvollen. Hier ist Erfahrung bei der Auswahl der Komponenten gefragt, die STEMMER IMAGING seinen Kunden gerne zur Verfügung stellt.

Welche Bedeutung haben die Anwendungsbereiche Robotik und Handhabungstechnik für die Bildverarbeitung?

Christof Zollitsch: In der aktuellsten VDMA-Marktstudie zur Bildverarbeitung in Europa wird die Automotive-Industrie wie schon seit Jahren als größte Anwenderbranche der Bildverarbeitung genannt. Diese Industrie ist auch Vorreiter beim Einsatz von Robotik und Handhabungstechnik. Beide Technologien sind in Kombination mit leistungsfähiger Sensorik wie der Bildverarbeitung zu noch höheren Automationsgraden fähig, so dass sich schon aus diesem Grund die hohe Bedeutung dieser Bereiche für die Bildverarbeitung ergibt. Robotik und Handhabungstechnik werden jedoch auch in vielen anderen Segmenten der produzierenden Wirtschaft immer häufiger eingesetzt, und auch dort gilt: Mit Bildverarbeitung werden viele Aufgabenstellungen besser oder überhaupt erst lösbar. Robotik und Handhabungstechnik zählen aus diesen Gründen zu den wichtigsten Anwendungsfeldern für die Bildverarbeitung.

Welche Bedeutung hat die professionelle Servicerobotik für Anbieter von Bildverarbeitung?

Christof Zollitsch: Die professionelle Servicerobotik zählt nicht zu unseren wesentlichen Zielmärkten und vermutlich gilt dies auch für viele andere Unternehmen, die sich mit Bildverarbeitung befassen. Unser Schwerpunkt liegt eindeutig im Bereich der industriellen Anwendungen, aber auch dort existieren bereits Aufgabenstellungen, die eine direkte Interaktion zwischen Mensch und Roboter erfordern. Wir beobachten dieses interessante Feld der professionellen Servicerobotik, aktuell hat es aus unserer Sicht jedoch eine eher geringe Priorität.

Wie schätzen Sie die Bedeutung der Automatica für Ihre Branche und die produzierende Industrie generell ein?

Christof Zollitsch: Seit ihrer ersten Durchführung zeigt die Automatica den aktuellen Stand der Produktionstechnik mit den Schwerpunkten Robotik, Handhabungstechnik und Bildverarbeitung. Wer bei der Herstellung von Gütern konkurrenzfähig sein und bleiben will, muss seine Herstellungsprozesse ständig optimieren. Ohne den Einsatz von Bildverarbeitung ist eine automatisierte Fertigung heute dabei in vielen Branchen und Anwendungen gar nicht mehr denkbar. Für uns ist die Automatica die perfekte Plattform, um Anwendern die Leistungsfähigkeit der Bildverarbeitung zu demonstrieren.

Was zeigt STEMMER IMAGING auf der kommenden AUTOMATICA 2016?

Christof Zollitsch: Zu den Highlights unseres Automatica-Auftritts zählt die neue Version unserer Bildverarbeitungsbibliothek Common Vision Blox, die dem Anwender weitere deutliche Vorteile sowohl in Bezug auf die Zeitersparnis während der Entwicklungsphase, als auch beim Einsatz der Software bietet und die bereits Windows 10 unterstützt. Als besonders spannende Neuentwicklung präsentieren wir außerdem ein Hyperspektral-Bildverarbeitungssystem, das über 100 Wellenlängenbereiche nutzt, um Bildinformationen von Objekten aufzunehmen und so deren Materialeigenschaften zu unterscheiden und zu klassifizieren. Das System nimmt sozusagen einen chemischen Fingerabdruck der Prüfobjekte und schafft so ganz neue Möglichkeiten für die Bildverarbeitung in einer Vielzahl von Branchen wie Medizin, Pharma, Verpackungs- oder Lebensmittelindustrie sowie in verschiedenen Sortieranwendungen. Darüber hinaus zeigen wir natürlich weitere neue Produkte aus allen Feldern der Bildverarbeitung.

STEMMER IMAGING

Puchheim, Germany

STEMMER IMAGING ist seit 1987 in der industriellen Bildverarbeitung tätig und mittlerweile Europas größter Technologie-Anbieter in diesem Bereich. 1997 stellte STEMMER IMAGING mit Common Vision Blox (CVB) eine leistungsstarke Programmierbibliothek vor, die eine schnelle und zuverlässige Entwicklung und Implementierung von Bildverarbeitungslösungen ermöglicht und inzwischen weltweit über 40.000 mal in verschiedensten Branchen erfolgreich im Einsatz ist.

CVB Image Manager
  • Plattform für die Entwicklung von Anwendungen der Bildverarbeitung in Industrie und Wissenschaft
  • Offene Programmierumgebung
  • Einfache Bedienung Flexibilität und High Performance
CVS HyperInspect - Chemische Materialanalyse für industrielle Produktionsprozesse
  • Modulares Komplettsystem zur chemischen Analyse von Materialeigenschaften
  • Einfache Erfassung und Auswertung von Hyperspektraldaten
  • Bewertung der chemischen Objekteigenschaften in Echtzeit